Das Wichtigste vorwegDrei Dinge zogen sich durch alle Stände, die vier ausführlich fotografierten wie die übrigen. Erstens Allradantrieb mit Steigungen zwischen 80 und 90 Prozent, vorgeführt auf Rampen, nicht nur auf dem Datenblatt. Zweitens der Kantenschnitt: Sunseeker und Anthbot zeigen Arme, die am Rand nachtrimmen, TerraMow verzichtet aufs Wenden. Drittens Tierschutz als Verkaufsargument, mit Wärmebild und Infrarot für die Dämmerung. Getestet haben wir nichts, die Geräte standen auf Kunstrasen. Was wir gesehen haben, steht hier, was der Hersteller behauptet, ist als solches gekennzeichnet.
Sunseeker: S7 mit LiDAR, Allrad und einem Arm, den man nicht kaufen kann
Der größte Auftritt unter den Mähroboter-Herstellern. Im Mittelpunkt stand die S-Serie für 2027 mit dem S7 LiDAR Ultra AWD für die 3.000-Quadratmeter-Klasse und dem kleineren S5 LiDAR Ultra AWD für rund 1.800 Quadratmeter. Beide navigieren mit dem, was Sunseeker AllSense 2.0 nennt: ein 360-Grad-LiDAR auf dem Rücken vermisst den Garten, zwei Kameras vorn erkennen, was im Weg liegt. Begrenzungskabel und Basisstation entfallen, das Gerät kartiert selbst und kann mehrere Karten für getrennte Rasenflächen speichern.
Auf der Rampe lief der S7 mit 80 Prozent Steigung, das entspricht rund 39 Grad, und überfuhr eine 5 Zentimeter hohe Kante. Das Mähwerk hat zwei Scheiben mit zusammen 35 Zentimetern Schnittbreite. Für den Rand gibt es einen Anschluss am Heck, den Sunseeker Extension Hub nennt; dort lässt sich ein Trimmkopf mit dem Namen EdgeZero einstecken. Der Roboterarm, der am Stand einen Würfel vom Rasen hob, sitzt am selben Anschluss. Sunseeker sagt dazu klar: eine Studie, keine Zusage für ein Serienprodukt.
Der zweite Schwerpunkt des Standes hieß „Animal-Friendly". Der S7 trägt neben LiDAR und Stereokamera ein Infrarotmodul, das Wärmesignaturen erkennt, also auch nachts und bei Dämmerung einen Igel im Gras. Am Stand hingen dazu eine Tierschutz-Empfehlung der Zeitschrift „selber machen" (Ausgabe 7/2026), eine Empfehlung 2026 von „Ein Herz für Tiere" und ein TÜV-Rheinland-Zertifikat nach ETSI EN 303 645, das ist die europäische Norm für die IT-Sicherheit vernetzter Geräte. Wie gut die Erkennung im echten Garten funktioniert, kann niemand auf einer Messe beurteilen; was das für den Igelschutz bedeutet, haben wir gesondert aufgeschrieben.
Was du heute kaufen kannst: Die S-Serie kommt 2027, Preise nannte Sunseeker nicht. Lieferbar sind der S4 mit derselben LiDAR-Kamera-Kombination für ebene Flächen bis 1.000 Quadratmeter und der Elite X5 als aktuelles Allradmodell mit RTK und Kamera.
Sunseeker S4
LiDAR und Kamera, bis 1.000 m²
Navigiert mit 360-Grad-LiDAR und einer Frontkamera, die laut Hersteller über 360 Hindernisarten erkennt, und kommt ohne Begrenzungskabel und ohne Basisstation aus.
Sunseeker Elite X5
Allrad, bis 2.000 m²
Allradmodell für Flächen bis 2.000 Quadratmeter mit Steigungen bis 60 Prozent.
TerraMow: 42 Grad auf der Rampe und ein Mäher, der nicht wendet
TerraMow ist die Marke des chinesischen Herstellers Muxin, der als Technologiepartner hinter den eufy-Mähern von Anker steht. Auf der IFA stand der X AWD auf einer Rampe mit der Beschriftung „Slopes up to 42°". Das sind 90 Prozent Steigung und damit der höchste Wert, den wir auf der Messe gesehen haben. Der Allradantrieb sitzt auf einer Einzelradaufhängung, die TerraMow als automotive-grade bezeichnet. Das Mähwerk ist 50 Zentimeter breit, drei Scheiben mit je fünf Klingen, angetrieben von einem 900-Watt-Motor.
Die Besonderheit, mit der TerraMow wirbt, ist unscheinbar: Der X AWD wendet nicht. Am Ende jeder Bahn fährt er rückwärts weiter, das Mähwerk schneidet in beide Richtungen. Wer die Spurrillen kennt, die ein Roboter beim Drehen an immer derselben Stelle hinterlässt, versteht den Sinn sofort. Die Navigation läuft über sechs Kameras, je drei vorn und hinten, ergänzt um Netzwerk-RTK; die Bilder werden auf einem Chip im Gerät ausgewertet, nicht in der Cloud. Je nach Variante nennt TerraMow Flächen zwischen 2.000 und 11.000 Quadratmetern.
Der Haken: Der X AWD wird über Kickstarter verkauft, mit einem Frühbucherpreis von 2.699 US-Dollar und einer späteren Preisempfehlung von 3.599 US-Dollar. Ein Liefertermin für Deutschland stand auf der Messe nicht fest. Und bei diesem Betrag gehört gesagt, was eine Kickstarter-Zusage rechtlich ist: kein Kauf, sondern eine Unterstützung. Das gesetzliche Widerrufsrecht und die Gewährleistung, die du bei einem Händler in der EU hast, gibt es gegenüber der Plattform nicht, Ansprüche richten sich allein gegen den Hersteller in seinem Sitzland. Wird aus dem Nicht-EU-Ausland geliefert, kommen Einfuhrumsatzsteuer und gegebenenfalls Zoll auf den Dollarpreis obendrauf. Und wer Crowdfunding-Hardware kennt, rechnet nicht nur mit Verzögerungen, sondern weiß, dass im schlechtesten Fall gar nichts geliefert wird. TerraMow hat seit 2024 zwei Baureihen ausgeliefert, das spricht für den Hersteller, ersetzt aber keinen Händler vor Ort.
Was du heute kaufen kannst: Den Mini 500, der neben dem X AWD auf dem Podest stand, gibt es seit Ende August. Er navigiert nur mit Kameras, ohne RTK und ohne LiDAR, für Gärten bis 500 Quadratmeter. Dazu der größere V1000 nach demselben Prinzip.
TerraMow Mini 500 mit Garage
Nur Kameras, bis 500 m²
Navigiert ausschließlich über drei Frontkameras, ohne Begrenzungskabel, ohne RTK-Antenne und ohne LiDAR.
TerraMow V1000 mit Garage
Nur Kameras, bis 1.200 m²
Das größere Kameramodell von TerraMow für Flächen bis 1.200 Quadratmeter.
Airseekers: ARANIX mit acht Motoren und Allradlenkung
Airseekers hat auf der IFA den ARANIX vorgestellt, den Nachfolger der Tron-Reihe, und dafür den „Best of IFA 2026"-Preis von Android Headlines bekommen. Die Idee: Statt zwei Antriebsrädern und Stützrädern hat der ARANIX vier angetriebene und vier gelenkte Räder, insgesamt acht Motoren. Damit dreht er auf der Stelle, fährt seitlich versetzt und soll Steigungen bis 40 Grad schaffen. Airseekers rechnet das mit 85 Prozent um, rechnerisch sind 40 Grad 84 Prozent. Das System misst laufend den Untergrund und regelt jedes Rad einzeln nach, damit sich das Gerät aus schwierigen Stellen selbst befreit.
Die Navigation nennt Airseekers Tri-Positioning: 360-Grad-LiDAR, eine Kamera mit 300 Grad Blickwinkel für die optische Positionsbestimmung und Netzwerk-RTK. Fällt das Satellitensignal unter Bäumen aus, soll das Gerät bis 2.000 Quadratmeter allein mit LiDAR und Kamera weiterkommen. Die Kamera erkennt laut Hersteller über 500 Objektarten und reagiert in 200 Millisekunden. Das Mähwerk FlowCut 2.0 hat zwei gegenläufige Scheiben mit zwölf Klingen auf 40 Zentimetern Breite, wahlweise mit geraden Klingen für den Rasen oder Schlegelklingen für hohes Gras und Unkraut. Der 15-Amperestunden-Akku reicht für rund 120 Minuten, als Obergrenze nennt Airseekers 4.000 Quadratmeter.
Was du heute kaufen kannst: Einen Preis und ein Datum für den ARANIX gab es auf der Messe nicht. Lieferbar sind die beiden Tron-Modelle, aus denen er hervorgeht: der Tron für 2.400 Quadratmeter mit Allrad und 65 Prozent Steigung und der kleinere Tron SE für 1.500 Quadratmeter.
AirSeekers Tron
Allrad, bis 2.400 m²
Das aktuelle Allrad-Spitzenmodell von Airseekers für Flächen bis 2.400 Quadratmeter, der Vorgänger des auf der IFA 2026 gezeigten ARANIX.
AirSeekers Tron SE
Allrad, bis 1.500 m²
Allradantrieb mit vier Offroad-Rädern, ausgelegt auf Steigungen bis 65 Prozent.
Anthbot: R7 mit Trimmerarm und Infrarot für Igel
Anthbot stellte die R7-Serie vor und nennt sie den ersten Mähroboter mit echtem Zero-Edge-Schnitt. Dahinter steckt ein Arm mit der Bezeichnung EdgeEase, der über eigene LiDAR- und Kamerasensoren die Rasengrenze verfolgt und entlang von Mauern, Zäunen und Beeten nachtrimmt, während das Gerät fährt. Es gibt drei Ausstattungsstufen: Die kleinste kommt ohne Arm, die mittlere mit Arm, die größte mit Arm und Infrarotsensor. Die Spitzenvariante schafft laut Anthbot 4.000 Quadratmeter am Tag.
Der Antrieb hat sechs Motoren, vier für die Räder und zwei für die Lenkung, und bewältigt 40 Grad oder 84 Prozent Steigung sowie Kanten bis 6 Zentimeter. Zwei schwimmend gelagerte Mähscheiben passen sich dem Boden an, der 270-Wattstunden-Akku lädt in 60 Minuten. Die Navigation heißt HoloSense: zwei LiDAR-Sensoren, PPP-RTK und Kamerabilder werden zusammengerechnet. Für die Dämmerung kombiniert der R7 die Kamera mit einem Infrarotsensor, der Wärmesignaturen erkennt, Anthbot nennt als Beispiel den im Gras versteckten Igel. Preise und Markteinführung will der Hersteller separat bekanntgeben. Nach eigenen Angaben gehört Anthbot zu den meistverkauften Mähroboter-Marken auf Amazon Deutschland und beliefert Baumärkte wie Bauhaus.
Was du heute kaufen kannst: Den M9 Pro, in dem die HoloSense-Navigation bereits steckt, für Flächen bis 1.500 Quadratmeter. Und als Sonderfall den N8, der das Schnittgut nicht liegen lässt, sondern in eine Box saugt und die selbst entleert.
Anthbot M9 Pro mit Garage
LiDAR, RTK und Kamera, bis 1.500 m²
Das Gerät, mit dem Anthbot die HoloSense-Navigation eingeführt hat, die auch im IFA-Flaggschiff R7 steckt: 360-Grad-LiDAR, RTK oder NetRTK und zwei Kameras arbeiten zusammen, damit die Position auch unter Bäumen und an Hauswänden hält.
Anthbot N8 mit Grasfangbox
Sammelt Gras und Laub, bis 1.500 m²
Der einzige Mähroboter in dieser Übersicht, der das Schnittgut nicht liegen lässt: Ein Klingensystem mäht und mulcht, ein zweites saugt Gras und Laub in eine 23-Liter-Box.
Was die übrigen Stände gezeigt haben
Die vier Stände oben sind die, von denen wir Fotos mitgebracht haben. Gesehen haben wir mehr. Damit die Angaben belastbar bleiben, stützen wir uns für die übrigen Hersteller auf die unten verlinkten Messeberichte und nicht auf die Erinnerung an ein Standgespräch.
- Segway Navimow H5 Pro: ein Mäharm, der seitlich um 7,7 Zentimeter ausfährt (EdgeMaestro), dazu Wärmebild zur Kleintiererkennung, Allrad und bis 80 Prozent Steigung. Navimow arbeitet nach eigenen Angaben mit Igelschutzorganisationen zusammen.
- Mammotion Luba 4 AWD: Varianten für 3.000, 6.000 und 12.000 Quadratmeter, vier Kameras plus 360-Grad-LiDAR plus Netzwerk-RTK ohne eigene Basisstation, bis 80 Prozent, optionales Kantenmodul am Heck. Vorbestellungen sollen im vierten Quartal starten, Preise fehlen noch.
- MOVA: LiDAX Ultra der zweiten Generation mit der Kantenlösung UltraTrim 3.0 und der AstraX mit einem Greifarm, der Fallobst aufsammeln und Äste wegräumen soll.
- Anker eufy S2 Max: seitlich rotierende Kunststofffäden als Kantentrimmer, die Fläche und Rand in einem Gang bearbeiten.
- Dreame: eine neue Allrad-Reihe mit einklappbaren Trimmerköpfen sowie Infrarot- und ToF-Sensoren zur Hinderniserkennung.
- XcanMow Mix 2000: Europapremiere auf der IFA, laut Hersteller ebenfalls ohne Begrenzungskabel. Roborock RockNeo Q2 LiDAR: Der Hersteller, den die meisten von Saugrobotern kennen, war mit einem Mäher da, der ohne Begrenzungskabel und ohne RTK-Station auskommt. Er navigiert mit einem LiDAR-Sensor namens Sentisphere plus Bilderkennung, schafft bis 45 Prozent Steigung und Durchfahrten ab 60 Zentimetern, ist nach IPX6 gegen Strahlwasser geschützt und fährt mit einem beweglichen Schneidwerk bis auf rund drei Zentimeter an Hindernisse heran. In der Ladestation steckt ein WLAN-Verstärker. Zur Fläche gehen die Berichte auseinander, genannt werden 800 bis rund 1.000 Quadratmeter. Preis und Verkaufsstart nennt Roborock noch nicht.
Das Muster ist überall dasselbe: Nach der kabellosen Navigation ist die Rasenkante das Thema, und die Hersteller lösen es entweder mit einem ausfahrbaren Mähdeck oder mit einem separaten Arm.
Was das für die Kaufentscheidung heißt
Die Steigungswerte verschieben sich nach oben. Noch vor zwei Jahren galten 45 Prozent als viel, jetzt zeigen vier Hersteller 80 bis 90 Prozent auf Rampen. Wer einen echten Hang hat, findet dazu die Einordnung auf der Seite zur Hanglage. Wichtig bleibt: Eine Messerampe ist trocken und griffig. Nasses Gras und lockerer Boden sind eine andere Sache.
LiDAR wird Standard in der oberen Klasse. Sunseeker, Airseekers und Anthbot kombinieren Laser, Kamera und RTK, kein Neugerät verlässt sich noch allein auf das Satellitensignal. TerraMow geht mit sechs Kameras den anderen Weg und lässt RTK nur als Ergänzung zu. Wie sich die Verfahren unterscheiden und wo LiDAR seine Grenzen hat, steht im Technikteil.
Der Kantenschnitt ist die nächste Baustelle. Arme wie EdgeEase und EdgeZero sind eine Antwort auf die eine Stelle, an der jeder Mähroboter bisher Handarbeit übrig ließ. Ob sie im Alltag halten, was die Rampe zeigt, entscheidet sich erst mit den ersten Geräten im Handel. Bis dahin ist die Frage, wie nah ein Roboter an die Kante kommt, weiter eine Frage der Hinderniserkennung und der Bauform.
Tierschutz ist zum Verkaufsargument geworden. Infrarot und Wärmebild sind ein Fortschritt gegenüber Kameras, die in der Dämmerung blind sind. Einen anerkannten Prüfstandard für Igelsicherheit gibt es trotzdem nicht, und die einfachste Maßnahme kostet nichts: tagsüber mähen. Mehr dazu auf der Seite Mähroboter und Igel.